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Jüdischer Friedhof (Diespeck)

RegierungsbezirkMittelfranken
LandkreisNeustadt an der Aisch-Bad Windsheim
Ort Diespeck
StraßeNEA15
Wikipedia J%C3%BCdischer_Friedhof_(Diespeck)
Suchbegriffe Friedhof, Juden
Beschreibung
<h3>Der jüdische Friedhof in Diespeck, bekannt als „Judensäcker"</h3> <p>Der Name dieser Begräbnisstätte &nbsp;ist als „Judensäeker" überliefert.&nbsp;„Äcker" bezieht 'sich auf die beiden Flur-Nummern 572 und 573 - die Juden aber meinten mit dem hebräischen Wort <em>secker</em> einen Ort&nbsp;der Erinnerung. Judensecker"&nbsp;wäre die richtige Schreibweise.</p> <p>Das &nbsp;„Äckerlein &nbsp;von&nbsp;dem &nbsp;schlechtest sandigen &nbsp;Boden" &nbsp;war „über&nbsp;zehn Jahre oed gelegen, folglich dem Zehentherrn ganz ohne Nutzen gewesen". Nach der Genehmigung am 7. März 1786 wurde sofort die Mauer sowie das für die Reinigung der Leichen notwendige&nbsp;„<em>Tahara</em>-Haus" errichtet.</p> <p>Nach dem Dreißigjährigen Krieg bildete das entstehende Landjudentum um 1700 einzelne Gemeinden in Diespeck und in Pahres<br /> die diesen Friedhof errichteten.</p> <p>Ein Friedhof wird nach der Halacha, dem Religionsgesetz, belegt.&nbsp;Jeder Stein schaut nach Osten, nach Jerusalem, wo der Messias&nbsp;einst erscheinen wird.</p> <p>Da im Buch 'des Lebens alle'Narrten verzeichnet sind, beginnt man,&nbsp;wie beim Schreiben im &nbsp;Hebräischen, &nbsp;mit der ersten&nbsp;Zeile rechts&nbsp;oben und dann füllt Zeile für Zeile die Seite., Im Judensäcker endet &nbsp;sie im Hauptfeld mit der angefangenen. 27. Reihe.</p> <p>Im schmalen Feld links vom Eingang tragen die Grabsteine ausschließlich&nbsp;weibliche Namen, die Verstorbenen waren kultisch „unrein" Auch die&nbsp;Totgeburten und namenlose Säuglinge wurden begraben. Danach folgen&nbsp;die Steine auf Kindergräbern.</p> <p>1923 setzte die israelitische Kultusgemeinde ihren im Weltkrieg&nbsp;1914 - 1918 gefallenen oder vermissten Soldaten ein Denkmal,&nbsp;das auch in der NS-Zeit unangetastet blieb. &nbsp;Es war zwei geistig&nbsp;beschränkten Jugendlichen aus dem Landkreis Neustadt vorbehalten,&nbsp;es in einer Februarnacht 2007 zu schänden.</p> <p><br /> 1862 wurde das Tahara - Haus renoviert, die Zahl steht groß in der&nbsp;Mauer über der Tür. Es besteht&nbsp;aus einem Vorraum und dem Waschraum. „Mit den Füßen voran&nbsp;"verlieft der Sarg nach der Tahara&nbsp;den Raum. Die Trauergemeinde folgte bis ans - Grab. Ihr Rav&nbsp;oder Ravi, Vorsänger und Lehrer, sprach die Gebete.<br /> <br /> Das erste Grab wurde neben dem Tahara - Haus ausgehoben für&nbsp;den „sehr alten Mann. Eftzik Bär Schloss von Pahres gestorben und&nbsp;begraben am Freitag,. 4. Cheschwan 547 nach der kleinen .Zählung"&nbsp;- das war der 17. Oktober. 1786 ^„und das ist der erste Grabstein"&nbsp;steht noch unten zu lesen. 150 Jahre lang wurden nun in zeitlicher&nbsp;Abfolge Männer und Frauen&nbsp;aus Diespeck und&nbsp;Pähres, bestattet. Häufig&nbsp;fehlen ab der 4. Reihe bis zur 10. Reihe sehr viele Steine.&nbsp;Sie fielen&nbsp;höchstwahrscheinlich einem Gesetz von 1942 zum Opfer, cas den&nbsp;Kommunen großzügigen Umgang mit jüdischen Eigentum erlaubte.</p> <p>Das Bemerkenswerte an diesem Friedhof ist der Formenreichtum der&nbsp;Steine ab der 11. Reihe, der viel über den Zustand der Gemeinden&nbsp;verrät. Es gab nur hebräische Inschriften auf den Grabsteinen. 1836 ist&nbsp;zum ersten Mal der Name auch auf Deutsch zu lesen für Hirsch&nbsp;Birgstein, dem Barnos in Pahres. Ganz ohne hebräische Buchstaben ist&nbsp;1855 der Stein für Amalie Schulherr aus Pahres.</p> <p>Erst&nbsp;ab 1865 durften jüdische Familien in Neustadt zuziehen. Ihre Anzahl&nbsp;wuchs, während sie in den Dörfern abnahm, nur der Friedhof&nbsp;blieb gemeinsam. Die &nbsp; Formen &nbsp;der &nbsp;Grabsteine wichen &nbsp;städtisch-christlichen&nbsp;Vorbildern, das Material wurde edler. In hebräischer Schrift Würdigt man&nbsp;die Verstorbenen mit&nbsp;dem Synagogennamen deutsot waren amtliche Namen und Daten.</p> <p>1878 war die Gemeinde in Phares aufgelöst, viele junge Leute waren seit 1848 ausgewandert, die meisten Familien wohnten längst in Neustadt&nbsp;Selbst die Synagoge war abgebaut und in Neustad wieder neu aufgebaut worden.<br /> <br /> Ih Diespeck endete das Gemeindeleben nacn dem Ersteh Weltkrieg&nbsp;der Sitz der israelitischen Kultusgemeinde&nbsp;war jetzt Neustadt.&nbsp;Durch&nbsp;Abwanderurig der jungen Generation in die größeren Städte war die&nbsp;Gemeinde nasch überaltert 1934 war ihr Ende gekommen. Noch drei&nbsp;Beerdigungen fanden im Judensäcker statt, 1938 die letzte. Seitdem ist&nbsp;der Friedhof geschlossen und dem Schutz der Allgemeinheit&nbsp;empfohlen.</p> <p>Text: Infotafel vor Ort von Ilse Vogel</p> <p>Weitere Ausführungen im Rathaus in Diespeck<br /> September 2007</p>
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