| Regierungsbezirk | Oberpfalz |
|---|---|
| Landkreis | Regensburg (Stadt) |
| Ort | Regensburg |
| Straße | Domplatz |
| Suchbegriffe | Judensau |
Beschreibung
Die sogenannte „Judensau“ am Regensburger Dom ist eine Skulptur aus dem 14. Jahrhundert und gehört zu einem im mittelalterlichen Europa verbreiteten antisemitischen Bildmotiv. Sie zeigt jüdische Figuren in herabwürdigender Weise im Zusammenhang mit einer Sau, einem Tier, das im Judentum als unrein gilt. Solche Darstellungen dienten nicht der Dekoration, sondern hatten eine klare Botschaft: Sie sollten Juden verächtlich machen und die Ablehnung innerhalb der christlichen Gesellschaft verstärken.
Regensburg war im Mittelalter ein bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens mit einer der ältesten Gemeinden im süddeutschen Raum. Gleichzeitig war das Verhältnis zwischen Christen und Juden von Spannungen geprägt. Diskriminierungen, wirtschaftliche Einschränkungen und gewaltsame Übergriffe gehörten ebenso zur Geschichte wie Phasen des Zusammenlebens. Die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung im Jahr 1519 markiert einen dramatischen Höhepunkt dieser Entwicklung. Die „Judensau“ am Dom ist daher nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein steinernes Zeugnis dieser konfliktreichen Vergangenheit.
In der heutigen Zeit wird die Darstellung eindeutig als antisemitisch bewertet. Sie steht im Widerspruch zu modernen gesellschaftlichen Werten und wird nicht mehr als akzeptabler Bestandteil kirchlicher Kunst angesehen. Dennoch wurde sie nicht entfernt. Stattdessen hat man sich bewusst für einen reflektierten Umgang entschieden: Die Skulptur bleibt sichtbar, wird aber durch erklärende Informationstafeln historisch eingeordnet. Kirche, Stadt und Staat distanzieren sich ausdrücklich von der dargestellten Botschaft.
Dieser Umgang verfolgt das Ziel, die Vergangenheit nicht zu verdrängen, sondern sichtbar zu machen und kritisch zu hinterfragen. Die „Judensau“ dient heute als Mahnmal gegen Antisemitismus und als Ausgangspunkt für Bildungsarbeit. Sie erinnert daran, wie tief Vorurteile und Ausgrenzung in der europäischen Geschichte verwurzelt sind und welche Folgen sie haben können.
2023 wurde eine neue Informationstafel angebracht, die die Skulptur historisch einordnet