| Regierungsbezirk | Oberbayern |
|---|---|
| Landkreis | Traunstein |
| Ort | Staudach |
| Straße | Marquartsteiner Straße |
| Wikipedia | Schnappenkirche |
| Suchbegriffe | Schnappenkirche |
Beschreibung
Die Schnappenkirche
Die Kirche St. Wolfgang auf dem Schnappenberg wurde in der auf uns gekommenen Form in den Jahren 1537–39 nach dem Plan von Wolf König, Stadtmaurermeister in Traunstein erbaut. Die Ausführung der Maurerarbeiten lag in den Händen des Baier Georg Traunreiter, Piesenhausen. Die Zimmerarbeiten führte Georg Höckhl, Unterwössen aus. Die Freyken schuf Wolf Jacob Schrott, Traunstein.
Aus dem Jahr 1630 wird darüber berichtet:
„Wolf Jacob Schrott, Maller und Burger zu Traunstein hat aufm Schnappen in neuer Gotshauß den gantzen Chor mit gueten beständigen Farben, nemblich in den neun Feldern jedes ain zimlich groß gantzes Bild, schöne Engelaköpf und roteßchen wie auch die gewohnliche 12 Apostel Creitz gemahlen.“
Das besonders schöne und wertvolle Altarbild mit dem hl. Wolfgang malte im Jahr 1644 der Münchner Hofmaler Caspar Amort. Der ursprüngliche, nicht mehr vorhandene Altar war ein Werk des Münchner Bildhauers Matthäus Schütz vom Jahr 1647. Der gegenwärtige Altar wurde 1870 nach einem Entwurf des Malers Stefan Beiner, Unterwössen gebaut. Dabei hat man das alte Altarbild übernommen und in den schönen Rokokorahmen, der aus der Kirche von Siegsdorf stammt, gesetzt. Das kunstgeschmiedete Gitter führte Michael Bayer, Schlosser in Marquartstein aus.
Zur Zeit der Erbauung dieser ca. 1100 m hoch gelegenen Kirche stand in der Nähe derselben, über einem Brünnlein, bereits eine dem hl. Wolfgang geweihte hölzerne Kapelle, diese soll nach einer alten Legende zur Erinnerung an den im Jahr 1096 an dieser Stelle ermordeten Grafen Marquart von Hohenstein, den Erbauer der Burg Marquartstein, errichtet worden sein. Die Kapelle wird erstmals gegen Ende des 15. Jahrhunderts erwähnt.
In mehreren Berichten der Propstei des Klosters Herrenchiemsee aus den Jahren 1510–16 wird die dort bestehende Wallfahrtskapelle beschrieben, in der viele Wunder geschehen sein sollen. Propst Johannes Rhyner (1502–1513) berichtet, daß:
„bey dem Khyrchel St. Wolfgang auf dem Schnappen umb gebür ain Wallfahrt entstanden sey und alle Jar ettlich hundert Personen die capellen mit großer Andacht von verren orthen her besuchen …“
Die Kapelle wird 1560 letztmals erwähnt.
Nicht sehr lange nach der Erbauung der neuen Schnappenkirche hat die Wallfahrt nach hier sehr nachgelassen. Das gläubige Volk hing mehr an der alten Bründlkapelle, als an der neuen Kirche. Durch die Auswirkungen des Spanischen Erbfolgekrieges (1705) erlosch sie fast vollständig. Bis 1744 wurde hier noch jeden Sonntag Messe gelesen. Heute ist nur noch zum Almkirta am 25. Juli Gottesdienst.
Auf Veranlassung des Propstes Sebastian Bonner von Herrenchiemsee und des Pflegsverwalters Gröber von Marquartstein wurde 1766 eine große Innenausstattung der Kirche durchgeführt. In der Säkularisation (1803) war die Schnappenkirche zum Abbruch bestimmt. Ihrer großen Abgelegenheit ist es zu verdanken, daß sie erhalten blieb.
In den Jahren um 1820 hat sich Vikar Baer von Unterwössen der bereits stark vernachlässigten Kirche angenommen und diese mit Unterstützung durch den damaligen Wirtlich von Traunstein und der selbstlosen Mithilfe aller Achentalgemeinden instand gesetzt.
Auch in den folgenden Jahren waren immer wieder Reparaturen zur Erhaltung der Kirche notwendig. Eine größere Instandsetzung erfolgte in den Jahren 1960/63 durch die Kirchengemeinde Staudach–Egerndach. Dabei wurden die Freken freigelegt und ein neues Portal mit Vordach und Gitter angebaut.
Die wohl aufwendigste Renovierung seit Bestehen der Kirche wurde auf Veranlassung des Erzbischöflichen Ordinariats 1977–1983 unter der Leitung des Architekten Helmut Birner durchgeführt. Alle bisherigen Versuche, die in den Mauern der Kirche vorhandene Feuchtigkeit zu beseitigen, brachten nicht den erhofften Erfolg. Es wurden deshalb die Mauern unterfangen, neue Fundamente mit Zwischenisolierfolien und ein Bruchsteinsockel erstellt. Der Innenboden wurde mit Feuchtigkeitsisolierung und Oberbodenbelag als Ziegelpflaster ausgeführt. Der Dachstuhl erfuhr eine gründliche Sanierung. Die ursprünglich vorhandenen gemalten und später zugemauerten romanischen Kirchenfenster, sowie ein zugemauertes Fenster in der Apsis wurden wieder geöffnet. Sämtliche Fenster erhielten eine einheitliche Verglasung.
Die Maurerarbeiten führte die Firma Förster, Grassau und die Zimmerarbeiten die Firma Bachmann, Mettenham aus.
Text und Schrift von Franz Gaukler, Heimatpfleger, Staudach, 1982
Quelle: Infotafel vor Ort