| Regierungsbezirk | Oberbayern |
|---|---|
| Landkreis | Ebersberg |
| Ort | Alxing |
| Standort | St. Michael |
| Suchbegriffe | Gerichtssäule, Grenzsäule, Hofmark Elkofen |
Beschreibung
Chronologie der Kirchenglocken von St. Michael in Alxing
1613
Der Münchner Bürger und Glockengießer Bartholomäus Wengele hat für Alxing zwei Bronzeglocken gegossen. Bronze ist eine Legierung aus 78 % Kupfer und 22 % Zinn. Die kleinere der beiden Glocken ist 260 kg schwer. Sie ist auch heute noch auf dem Turm. Die größere wurde eingeschmolzen.
1846
Die Glockengießerei Oberacher aus Bad Reichenhall lieferte eine 650 kg schwere Glocke. Sie erhielt den Namen des Kirchenpatrons „St. Michael“.
1903
Das Ehepaar Sebastian und Theres Maier (Moar) aus Wildaching stiftete zwei Glocken. Sie erhielten die Namen des Stifterehepaares „St. Sebastian“ und „St. Theresia“.
Gegossen wurden sie in der Glockengießerei Bachmeier in Erding. Zugleich entfernte diese Firma den hölzernen Glockenstuhl und ersetzte ihn durch einen aus Schmiedeeisen, was im Verlauf der Jahre zu Problemen führte.
1916/1917
Seit dem Jahre 1914 war der Erste Weltkrieg über die Völker Europas hereingebrochen. 1916 erklärte das Kriegsministerium alle Kirchenglocken zu Staatseigentum und ordnete an, diese bis auf wenige Ausnahmen vom Turm herab zu nehmen, um sie einzuschmelzen und daraus Waffen zu schmieden.
Welch ein Frevel! Glocken, deren Bestimmung es war, den Menschen den Frieden zu bringen, wurden zu todbringenden Waffen!
Am 16. Juli 1917 wurden, wie von vielen anderen Kirchtürmen auch, in Alxing die beiden größeren Glocken abgeseilt und nach Moosach zur Sammelstelle abtransportiert.
1923
Nachdem zwei Glocken im Krieg eingeschmolzen wurden, fasste die Kirchenverwaltung Alxing den Beschluss, bei der Glockengießerei Hahn & Sohn Landshut – Bad Reichenhall zwei neue Glocken gießen zu lassen.
Da eine noch auf dem Turm befindliche Glocke nicht mehr zur Stimmung passte, wurde sie eingeschmolzen und eine neue daraus gegossen. Die Schlusszahlung betrug – Inflation näherte sich ihrem Höhepunkt – 16.000.000 Mark.
Somit waren jetzt drei neue und noch die kleine ganz alte von 1613, also wieder vier Glocken, auf dem Kirchturm.
1943/1944
Im Jahr 1939 begann die größte Katastrophe, die jemals auf die Menschheit hereingebrochen war. Die Nationalsozialistische Arbeiterpartei, mit Adolf Hitler als Anführer, hatte den Zweiten Weltkrieg begonnen.
Dass dieses Regime, das vor nichts zurückschreckte, wiederum die Kirchenglocken von den Kirchtürmen holen ließ, um sie einzuschmelzen und Kriegsgeräte daraus zu schmieden, überraschte niemand. Im Winter 1943/44 wurden die drei größeren Glocken herabgenommen und auf einem Schlitten abtransportiert.
1947/1949
Nachdem auch diese Glocken nicht mehr zurückkamen, bestellte diesmal die Gemeinde 1947 eine und zwei Jahre später zwei weitere Glocken bei der Gießerei mit Namen „Bochumer Verein“. Diese waren jedoch nicht aus der nach dem Krieg raren und teuren Bronze, sondern aus Gusseisen.
Beim Transport nach Alxing kam es 1949 zu einem schrecklichen Unfall. Der Alxinger Transportunternehmer Georg Roithmeier machte auf dem weiten Heimweg eine Pause und schlief vermutlich dabei ein. Die Abgase seines Lkw’s, ein damals üblicher Holzvergaser, drangen in seine Fahrerkabine und führten so zum Tod. Diese Anschaffung stand von Anfang an unter keinem glücklichen Stern.
2014/2015
Ein Gutachten des Diözesanmusikdirektors und Glockensachverständigen des erzbischöflichen Ordinariats München/Freising, Herrn Fischer, kam zum Ergebnis, dass der eiserne Glockenstuhl mit den Gusseisenglocken für den Turm viel zu schwer war und dessen Stabilität höchst gefährdet sei.
Pfarrer Pater Egino und die Kirchenverwaltung folgten seinem Rat, Glocken und Glockenstuhl auszutauschen.
Der Auftrag wurde an die Glockengießerei Bachert aus Karlsruhe vergeben. Der Tiroler Zimmermann Roland Maurer erhielt den Auftrag, einen Glockenstuhl aus einheimischer Eiche zu zimmern.
2017
Die am 7. April vor den Augen einer 30-köpfigen Delegation gegossenen bronzenen Glocken wurden am 21. April geliefert und am 23. Mai von Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger unter großer Beteiligung der Bevölkerung und der Anwesenheit vieler Würdenträger in Alxing geweiht.
Am 22. September fand der Austausch statt. Die schweren alten Glocken mussten an diesem Tag den Turm für immer verlassen, die neuen Bronzeglocken nahmen ihren Platz ein.
2019
Die bisherige kleinere, dem hl. Benno geweihte Glocke, hat einen neuen Platz gefunden. Sie kam in die Nähe des Wallfahrtsortes Neukirchen, beim „Heiligen Brunnen“ im Bayerischen Wald. Für die beiden anderen, die dem „Erzengel Michael“ und dem „Gloria Dei“ geweihten Glocken fand man ebenfalls eine gute Lösung. Ihre neue Heimat ist hier, am Aufgang zum Pfarrhof, an St. Michaelskirche. Hier dürfen sie hoffentlich für immer bleiben und können so den Besuchern ihre Geschichte erzählen.
Text und Gestaltung: Johann Huber, Taglaching, April 2020
Quelle: Infotafel vor Ort