| Regierungsbezirk | Oberbayern |
|---|---|
| Landkreis | Mühldorf am Inn |
| Ort | Ampfing |
| Straße | Sankt-Martin-Straße |
| Suchbegriffe | Bunker, Todt |
Beschreibung
Ampfing war Teil des KZ-Außenlagersystems im Landkreis Mühldorf a. Inn. Von Ampfing führte eine Bahnverbindung zur Baustelle am Bunkerbogen. Der Bahnhof war ein wichtiger Knotenpunkt, über den u.a. KZ-Häftlinge in das Waldlager transportiert wurden.
Die zuständige Einheit der »Organisation Todt« (OT), einer paramilitärischen Bautruppe im NS-Staat, richtete im Landkreis einige Büros ein. Die Bauleitung der Region Mühldorf war in mehreren Baracken im Ampfinger Pfarrgarten untergebracht. Zum Schutz der Bauleitung vor Luftangriffen wurde ein Luftschutzbunker errichtet.
Nach der Befreiung der KZ-Lager dienten die Gebäude als Lazarett für ca. 150 befreite Häftlinge. Die amerikanischen Befreier verpflichteten Ampfinger Frauen und Mädchen, insbesondere aus der »NS-Frauenschaft« und dem »Bund Deutscher Mädel«, zur Pflege der Kranken. Trotz der medizinischen Versorgung starben in Ampfing bis Juni 1945 noch mehrere befreite KZ-Häftlinge an den Folgen von Entbehrungen und Misshandlungen. Das Lazarett wurde nach kurzer Zeit aufgelöst. Die Baracken dienten anschließend u.a. als Notunterkunft für Geflüchtete und Heimatvertriebene. In den 1960er Jahren wurden sie abgerissen. Der Bunker ist bis heute erhalten.
Während des Kriegs nutzte die OT den Ökonomiestadel der Pfarrei Ampfing, das heutige Theresianum, als Aufenthaltsraum. Zwischen 1947 und 1948 richtete die jüdische Gemeinde Ampfing in dem Gebäude ihre Synagoge ein.
Die amerikanische Militärregierung ließ die örtlichen Behörden in den Landkreisen Altötting und Mühldorf a. Inn neun Friedhöfe für die im KZ-Außenlagerkomplex ermordeten Menschen anlegen – darunter einen in Ampfing.
Im Jahr 1958 löste man den Ampfinger KZ-Friedhof auf, die 250 dort Bestatteten wurden umgebettet.
KZ-AUSSENLAGERKOMPLEX MÜHLDORF
In der Endphase des Zweiten Weltkriegs sollte im Mühldorfer Hart eine bombensichere Fertigungsstätte für Kampfflugzeuge errichtet werden. Mit fünf Lagern entstand hier der zweitgrößte Außenlagerkomplex des KZ Dachau.
Für das gigantische Bauprojekt mit dem Decknamen „Weingut I“ wurden tausende zivile Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und jüdische KZ-Häftlinge in den Landkreis Mühldorf verschleppt.
Die meisten der über 8.300 KZ-Häftlinge – darunter 800 Frauen – stammten aus dem damaligen Ungarn. Sie waren ab Mai 1944 in das KZ Auschwitz verschleppt und dort für die Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieben selektiert worden.
Die KZ-Häftlinge wurden zu schweren Bauarbeiten gezwungen, ihre Unterkünfte waren primitive, teils unter der Erde errichtete Hütten und waren permanent Schikanen durch die SS oder ziviles Personal ausgesetzt. Fast die Hälfte der meist jüdischen KZ-Häftlinge starb im KZ-Außenlagerkomplex Mühldorf.
Der Bunker wurde nicht fertiggestellt und nach dem Krieg gesprengt.
Quelle: Infotafel vor Ort