| Regierungsbezirk | Schwaben |
|---|---|
| Landkreis | Donau-Ries |
| Ort | 86732 Oettingen i.Bay. |
| Straße | Flugplatzsiedlung |
| Wikipedia | Militärflugplatz_Heuberg |
| Suchbegriffe | Militärflugplatz |
Beschreibung
Der Flugplatz
Bereits 1934 wurde im Zuge der militärischen Aufrüstung des Deutschen Reiches mit dem Bau des offiziell als Notlandeplatz deklarierten Einsatzhafens I. Ordnung begonnen, 1936 war er weitgehend fertiggestellt. Das Areal des Flugplatzes umfasste ca. 90 Hektar. Mittelpunkt war die fest ausgebaute Start- und Landebahn mit fast einem Kilometer Länge und etwa 80 Meter Breite, die von einer Ringstraße umgeben war.
An der Südostecke befand sich die Hauptgruppe der Gebäude. Es handelte sich um fünf Steinbauten: das Kommandeursgebäude, die Platzlandwirtschaft mit Stallungen, Stadel und Werkstatt, Autoschuppen und Wagenhalle.
Zu diesem Gebäudekomplex gehörten zahlreiche Baracken in Holzbauweise wie die Funker- und die Feuerwachbaracke, eine Waschbaracke, eine Wachbaracke, die Wirtschaftsbaracke, mehrere Mannschaftsunterkünfte und das Offizierskasino.
An der Ringstraße lagen die Stellplätze für Flugzeuge, drei Schießstände, zehn große Flugzeughallen, Kompensierscheiben, zentrale Tanklager, Zapfstellen und Flugabwehrstellungen. Der Bahnanschluss erfolgte in den Jahren 1937/38.
Im südlichen Platzbereich befanden sich zwei unterirdische und drei oberirdische Bunker zur Aufbewahrung von Munition.
In den umliegenden Ortschaften unterhielt das Militär zahlreiche Materiallager.
Die Geschichte des Platzes
Anfangs waren neben der Zivilverwaltung des Platzes nur das zum Flugbetrieb notwendige Personal, Wachmannschaften und mehrere Baukompanien stationiert.
Bereits im Jahre 1938 wurde der Platz wegen der Ereignisse in Österreich und im Sudetenland mit Reservisten belegt. Ab 1939 wurde er unterschiedlich genutzt. Er diente mehreren Fliegerschulen zur Pilotenausbildung und ab Anfang 1942 der Firma Bachmann/v. Blumenthal aus Fürth als Werkflugplatz.
Ab 1944 sollte der Platz für die Firma Messerschmitt erheblich ausgebaut werden. Damals entstanden die große Werft an der Utzwinger Straße und weitere Anlagen. Allerdings wurden die Baumaßnahmen nicht mehr vollendet.
Von November 1943 bis April 1944 waren Teile des Zerstörergeschwaders 76 auf dem Platz stationiert. Das II./Jagdgeschwader 53 „Pik As“ nutzte den Platz vom 20. Mai bis 6. Juni 1944 für Einsätze gegen alliierte Bomberverbände sowohl im Reichsgebiet als auch im französischen Raum, bevor man sie an die Invasionsfront verlegte. Ihr folgte vom 16. Juni bis 8. Juli 1944 die IV. (St)/Jagdgeschwader 3 „Udet“.
Anfang 1945 wurden drei Staffeln der II./Ergänzungsjagdgeschwader 1 mit Bf 109 G und Fw 190 A auf den Platz verlegt.
Am 21. April 1945 gab das deutsche Militär den Platz auf, und am 23. April besetzten Verbände der 7. US-Armee den Flugplatz.
Das Kriegsgefangenenlager
Mit dem Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 begann der starke Zustrom von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen in das Deutsche Reich. Vermutlich noch 1941 wurde im sogenannten „Unteren Lager“ das Arbeitskommando 301 für etwa 300 bis 400 sowjetische Kriegsgefangene eingerichtet.
Anfangs mussten die Gefangenen nicht arbeiten und waren im Lager eingesperrt. Mit dem zunehmenden Arbeitskräftemangel wurden sie jedoch zu Arbeiten auf dem Flugplatz und in der Umgebung eingesetzt.
Nach Zeugenaussagen herrschten im Lager menschenunwürdige Bedingungen. Teilweise gelang es der Bevölkerung, den Gefangenen heimlich Lebensmittel zuzustecken. Dies wurde gelegentlich geduldet, meist jedoch streng unterbunden. Wiederholt kam es zu schweren Misshandlungen, die teilweise tödlich endeten.
Bei der Einwohnerbehörde Oettingen wurden elf Todesfälle sowjetischer Kriegsgefangener registriert. Es wird jedoch angenommen, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher lag. Die Toten wurden 1958 auf die Kriegsgräberstätte Neumarkt in der Oberpfalz umgebettet.
Vor dem Eintreffen der amerikanischen Truppen wurden die Kriegsgefangenen offenbar abtransportiert. Ein Zeitzeuge berichtete, dass etwa 40 Gefangene nach Süden geführt und anschließend den amerikanischen Truppen übergeben wurden.
Das Flüchtlingslager
Die Steingebäude und das Barackenlager des ehemaligen Fliegerhorstes Heuberg wurden nach dem Abzug der amerikanischen Besatzungstruppen zwischen Januar und März 1946 zu einem Flüchtlingslager umgebaut. Die Gebäude und Einrichtungen des Flugplatzes wurden in verwahrlostem und geplündertem Zustand übernommen.
Am 10. März 1946 waren die Vorbereitungen abgeschlossen. Nach Angaben des Flüchtlingskommissars bot das Lager Platz für rund 900 Menschen. Wenige Tage später traf der erste Transport mit Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland ein.
Bis zur Auflösung des Lagers um 1960 wurden mehr als 30.000 Menschen, überwiegend aus der Tschechoslowakei und Rumänien, durch das Lager geschleust.
Für viele Heimatvertriebene bedeutete der Aufenthalt im Lager Heuberg den Beginn eines neuen Lebens unter äußerst schwierigen Bedingungen. Noch Jahrzehnte später verbanden viele ehemalige Bewohner den Aufenthalt mit belastenden Erinnerungen.
Auch die Unterbringung der Heimatvertriebenen in den umliegenden Dörfern und Städten stellte die einheimische Bevölkerung vor erhebliche Herausforderungen.
Quelle: Infotafeln vor Ort