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Kreuzbergkapelle (Wessobrunn)

RegierungsbezirkOberbayern
LandkreisRosenheim
Ort Wessobrunn
Wikipedia Kreuzbergkapelle_(Wessobrunn)
Beschreibung

Die Kreuzbergkapelle ist ein malerischer Wallfahrtsort auf einer Anhöhe nahe Wessobrunn im oberbayerischen Pfaffenwinkel. Die kleine Kapelle liegt auf dem sogenannten Kreuzberg und bietet einen weiten Blick über die hügelige Landschaft der Region. Sie gehört zu den stillen religiösen Orten Oberbayerns, die Natur, Geschichte und Spiritualität miteinander verbinden.

Die Kapelle entstand vermutlich im 17. oder 18. Jahrhundert im Umfeld des bedeutenden Klosters Wessobrunn. Wie viele Kreuzbergkapellen in Bayern diente sie Gläubigen als Ziel für Andachten, Prozessionen und Wallfahrten. Besonders in der Barockzeit gewann die Verehrung von Kreuzwegen und Kalvarienbergen an Bedeutung. Die erhöhte Lage der Kapelle symbolisiert dabei den Leidensweg Christi und schafft zugleich einen Ort der Ruhe und Besinnung.

Die schlichte Architektur fügt sich harmonisch in die Landschaft ein. Umgeben von Wiesen, Wäldern und alten Bäumen vermittelt die Kapelle eine besondere Atmosphäre der Abgeschiedenheit. Wanderwege führen von Wessobrunn hinauf zum Kreuzberg und machen die Kapelle zu einem beliebten Ziel für Spaziergänger und Pilger.

Heute erinnert die Kreuzbergkapelle nicht nur an die religiöse Tradition des Pfaffenwinkels, sondern auch an die enge Verbindung zwischen Klosterlandschaft, Naturraum und bayerischer Volksfrömmigkeit.

 

Infotafel: Die Kreuzbergkapelle

Um 955 zerstörten die Ungarn die Abtei.
Die wenigen Überlebenden kamen dann in das als „Bairien“ bekannte Gebiet, gründeten dort das Kloster Wessobrunn wieder neu. Ein Teil der Mönche hatte sich vorher nach Tirol geflüchtet und als die Horden feuerbrandlegend flohen auch die letzten. Abt Thiemo und sechs Mönche zogen nordwärts gen Augsburg. Aber schon auf der kleinen Anhöhe fielen sie den Verfolgern in die Hände und wurden auf einem aus dem Boden ragenden erratischen Block grausam hingemordet. Das war im April oder Monate später, im August 955, wurden die Ungarn von Kaiser Otto und Bischof Ulrich auf dem Lechfeld besiegt.

Die Bauern bestatteten die Leiber der Erschlagenen an Ort und Stelle. Um 1200 aber wurden sie in das neugebaute Kloster verbracht und in der Marienkapelle zusammen mit den Überresten der seligen Diemud (†1130) beigesetzt. Neben dem Stein wurde ein Gedenkkreuz errichtet. Daher der Name Kreuzbergkapelle. Im Jahr 1595 ließ der Abt Bernhard Schütz eine Steinkapelle errichten. Daselbe bezeugt die Tafel außen am Turm. Weihbischof Sebastian Breitinger von Augsburg konsekrierte die Kapelle. Die Apostelkreuze erinnern daran. Unter Abt Engelbert Bock wurde diese gotische Kapelle von Wessobrunner Stukkateuren und Rokokokünstlern restauriert (1771). Auf dem Altar zwischen Berninisähnlichen Säulen erhebt sich das Kreuz Christi. Davor die lebensvolle Gruppe Maria, Magdalena und Johannes. Die Apostelfürsten neben dem Altar erinnern an das Patrozinium der 1810 abgetragenen Klosterkirche. Auf der Evangelienseite befindet sich eine kunsthistorisch wertvolle gotische Madonna. Ihr gegenüber steht der Patron der Landleute St. Rochus.

Unter dem gotischen Gewölbe des Schiffes ist eine zweite Decke eingezogen zur Aufnahme des meisterhaft komponierten Freskos. Es stellt in der Mitte die Auffindung des Kreuzes durch Kaiserin Helena und Bischof Makarius dar. In der Mitte thront die heiligste Dreifaltigkeit. Rückwärts sehen wir die Darstellung des Martyriums von Thiemo und seinen Gefährten. Der Abt empfängt den knienden auf dem Opferstein den Todesstreich. Das Bild ist signiert von dem berühmten Mathäus Günther 1772. Der Stein selber ist bei jeder baulichen Änderung ehrfürchtig erhalten geblieben. Die schmucke Kanzel und die Sängerempore fassen Priester und Volk zu feierlichem Gottesdienst. Über dem Bogen sind das Klosterwappen von Wessobrunn mit den gekreuzten Schlüsseln des hl. Petrus und das Wappen des Abtes Engelbert Bock, der Hahn mit den drei Quellen. Die beiden heiligen Herzen Jesu und Maria an der Decke des Altarraumes zeugen von der Verehrung der beiden Symbole in jener Zeit. Schon seit 1700 gab es eine Marienbruderschaft, die zur Blütezeit 60000 Mitglieder zählte.

Zum 1000jährigen Jubiläum ließ der Erzabt von St. Ottilien Chrysostomus Schmid die Kapelle renovieren. Die Mauern wurden entfeuchtet und die Westseite mit Zederschindeln belegt. Spätere Renovierungen erfolgten durch die Pfarrgemeinde in den Jahren 1980–1981 außen, 1981–1984 innen.

Die Originalfiguren wurden 1994 durch Brettfiguren ersetzt. Die Märtyrer vom Kreuzberg sind mit der Reklusin Diemud († um 1130) und Abt Waltho (†1156) die neun Seligen von Wessobrunn.

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